an uns brechen sich die Wellen der Geschichte wie an einer Klippe. Der eigenen Kraft sind wir überdrüssig, und aus der Unfreiheit haben wir eine Tugend gemacht: wir sind edelmütig aus Trotz geworden. Mesa Selimovic
Dienstag, 5. März 2013
wenn Drachen Fussball spielen
Fussball interessiert mich eigentlich nicht wirklich, aber Länderspiele sind Pflicht, das nächste Spiel Bosnien-Griechenland steht am 22.März an. Während der letzten EM fragte mich ein Arbeitskollege, wieso ich fan der Bosnier wäre, eigentlich müsste ich ja für die Deutschen sein, (blöde Aussage eigentlich, müssen muss ich schon mal gar nicht :-)) Bei allem Respekt für die Nummer zwei der FIFA-Liste (Bosnien ist auf dem 24. Platz), mir macht es einfach mehr Spass den Bosniern zuzusehen, weil sie mit Herz und Cojones spielen. Die schwäbische Trantüte von Bundestrainer kommt im Vergleich zu Safet Susic, der auch schon mal von Herzen flucht und Leben ins Spiel bringt, daher wie eine Schlaftablette. Jogi, das ist kein Kinderturnen, gekuschelt wird woanders :-) Die bosnischen Jungs, in Bosnien liebevoll Zmajevi - Drachen genannt, sind ein gutes Team, in dem weder das böse h-, s- oder m-Wort eine Rolle spielt. Sie repräsentieren das Bosnien, das die meisten von uns gerne hätten und einen das Land besser als jeder nationalistische Schwachmat aus der Regierung es je könnte. Dass sie so motiviert sind, liegt sicher nicht an den äußerst bescheidenen Prämien des Fussbalverbandes, mit denen füllen sich Dzeko, Ibisevic, Pjanic und Spahic wahrscheinlich nur müde lächelnd die Portokassen. Sie spielen für ihr Land und dieses Bewusstsein, diese Motivation, dieses Herz fehlt mir bei den deutschen Jungs. Wie emotinal das Thema Fussball sein kann, sieht man am besten am Kommentator Marjan Mijajlovic, dessen Dijamaaaaaaaantuuuuuuuuuuuuuuu schon geradezu legendär ist :-)
Montag, 4. März 2013
brauchen Ossis demnächst auch Integrationskurse?
letzte Woche hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit einer jungen Frau aus dem Östen. Das anfangs berufliche Gespräch wurde ab dem Punkt privat als sie erwähnte, wie schwer sie es anfangs hatte, hier Fuss zu fassen. Als Beispiele führte sie mir dann Situationen auf, die ich oder Freunde auch schon original so erlebt hatten. Überspitzt formuliert: Statt Dreckstürke Drecksossi eben. Bedenkt man, wie lange die Wiedervereinigung her ist und wie viel Zeit die Deutschen hatten, um sich aneinander zu gewöhnen, gab mir das dann sehr zu denken: Woher dieser Vorbehalt? Der Soli und der zugegeben gewöhnungsbedürftige Dialekt können es allein doch nicht sein? Zumal schwäbisch direkt nach dem sächsischen die Liste der unbeliebtesten Dialekte in Deutschland anführt :-) Meine Frage an der Stelle ist: Erwarten wir zu viel von "den" Deutschen, wenn wir verlangen, dass sie eine fremde Kultur oder Religion akzeptieren, wenn sie es noch nicht mal bei der eigenen auf die Reihe kriegen? Oder unterscheiden sich die Ostdeutschen tatsächlich so sehr, dass auch sie sich anpassen müssen? Migrationshintergrund: Naher Osten? Fragen über Fragen, jede erleuchtende Antwort ist willkommen, danke :-)
wenn die Schabracke auf dem Sofa Haschisch raucht
Gestern habe ich etwas Neues gelernt, nämlich dass das Wort Heckmeck arabischen Ursprungs ist: haqi milki = "Mein Recht, mein Eigentum", Beginn einer Kreditrückforderungsformel arabischsprachiger Juden, die im Mittelalter ab 1492 aus Spanien nach Deutschland kamen. Als ich mich dann näher mit dem Thema beschäftigte war ich überrascht, wie viele Worte aus dem deutschen Sprachgebrauch tatsächlich türkische oder arabische Wurzeln haben: Admiral, Arsenal,Artischocke,Elixir, Giraffe, Havarie,Joghurt Kadi, Karaffe, Kiosk, Kismet, makaber, Magazin, Matratze, Razzia, Tarif, Ziffer, Zucker. (Die Überschrift ist übrigens keine Selbstbeschreibung sondern ein weiteres Beispiel :-)) Was mich dann auf den Gedanken brachte, dass es ein paar Begriffe gibt, die auch eingedeutscht werden sollten an denen ich fast verzweifle, weil ich einfach kein passendes Wort dafür finde:
Sabur - geduldiges Ertragen eines Zustandes, in dem Wissen, dass es Gottes Wille ist und man selber nicht wirklich was daran ändern kann
Nafaka - ist uns von Gott bestimmt und vor unserer Geburt von Engeln ins Schicksalsbuch geschrieben
rahat - mehr als zufrieden und weniger als glücklich sein
Nafaka - ist uns von Gott bestimmt und vor unserer Geburt von Engeln ins Schicksalsbuch geschrieben
rahat - mehr als zufrieden und weniger als glücklich sein
merak - mehr als Genuss
Sollte hier jemand ein richtig gutes Wort für finden, möge er sich bitte melden, danke!
Sollte hier jemand ein richtig gutes Wort für finden, möge er sich bitte melden, danke!
Samstag, 2. März 2013
respect to Frenkie / Brief an Milan
Adnan Hamidović - Frenkie ist einer meiner Lieblingskünstler und "Troyanac" habe ich gerade im Dauer-Replay. Als Schützling von Edo Maajka überzeugt er mit Texten, die weh tun (hat Wahrheit so an sich) und kreativem Wortwitz. Besonders hervorheben möchte ich an der Stelle, als eine gute Ergänzung zu diesem Thema Der Satte versteht den Hungrigen nicht, ein Lied:
In diesem Brief an Milan, einem Friedensaktivisten aus Belgrad gibt es keinen moralischen Zeigefinger, geht es nicht um Massengräber und auf welcher Seite es mehr Opfer gab. Frenkie fordert ein Gespräch, einen Dialog, eine Auseinandersetzung mit dem was passiert ist. Es geht nicht darum, wieder "zusammen Weihnachten und Bajram zu feiern", sondern gemeinsam einen Weg zu finden, den Teufelskreis zu durchbrechen, damit es nicht wieder zum Krieg kommt.
Freitag, 1. März 2013
ein kleiner Ausflug in die Geschichte
Am 29.02./ 01.03.1992 fand in Bosnien-Herzegowina die Volksabstimmung zur Unabhängigkeit und dem Austritt aus dem Staatsverband Jugoslawien statt. Die Wahlbeteiligung lag bei 63%, 99,4% sprachen sich für eine staatliche Souveränität aus. Das Land erklärte am 02.03.1992 seinen Austritt, die internationale Anerkennung erfolgte am 17.04.1992, was danach kam, wissen wir alle.
Happy birthday Bosno moja divna, mila, 21 Jahre ist ein gutes Alter, man hat die Pubertät hinter sich und wird so langsam erwachsen, Bosnien, ich hoffe Du machst das Beste daraus...
Happy birthday Bosno moja divna, mila, 21 Jahre ist ein gutes Alter, man hat die Pubertät hinter sich und wird so langsam erwachsen, Bosnien, ich hoffe Du machst das Beste daraus...
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