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| Cracked veröffentlichte dieses Foto unter der sehr passenden Überschrift 5 True Stories Behind Iconic Pictures of Badass Women. Das Foto zeigt keine Diva, keinen Filmstar aus den 60ern, das Foto zeigt Meliha Varešanović, im Kriegssarajevo 1995 auf dem Weg zur Arbeit. Mehr als vier Jahre war Sarajevo von ca. 13 000 serbischen Soldaten besetzt. Mehr als vier Jahre kämpften die Bewohner Sarajevos mit ihrer Angst vor den Heckenschützen, Angst vor den Granaten und sie kämpften ums Überleben, Normalität in einem Alltag, der Hölle auf Erden - ihren Besatzern zum Trotz. Hier ein interessantes Interview auf Englisch. |
an uns brechen sich die Wellen der Geschichte wie an einer Klippe. Der eigenen Kraft sind wir überdrüssig, und aus der Unfreiheit haben wir eine Tugend gemacht: wir sind edelmütig aus Trotz geworden. Mesa Selimovic
Sonntag, 19. April 2015
die Geschichte hinter dem Foto - Meliha Varešanović
Freitag, 20. Februar 2015
der Luxus, zwei Heimaten zu haben...
eine Frage, die bei uns Erwachsene gerne kleinen Kindern stellen ist: koga vise volis, mamu ili tatu? wen liebst du mehr, Deine Mutter oder Deinen Vater? An diese Frage denke ich immer, wenn man mich nach meiner Heimat fragt. Denn genau so, wie es einem Kind schwer fällt, diese Frage zu beantworten, weil es die Frage nicht versteht und sie einfach doof findet, geht es mir. Vor kurzem hatten wir es im Büro von der PEGIDA, ein Kollege meinte, er hätte durchaus Verständnis für sie und wenn man als Ausländer hierher kommt, sollte man sich gefälligst entscheiden, sich voll und ganz mit den deutschen Werten identifizieren oder könne gleich wieder gehen, woraufhin ich ihm ein ziemlich entgeistertes "geht's noch?" an den Kopf warf. Die Überheblichkeit und Arroganz dieser Aussage, so berechtigt und zutreffend sie in Einzelfällen vielleicht sein mag, verstörte mich, zum einen gibt es keine "deutschen" Werte, die Werte einer intakten Gesellschaft definieren sich nicht über die Nation, sondern über Menschlichkeit und Vernuft, korrigiert mich bitte einer, wenn ich falsch liege. Zum anderen, klingt dieses ENTSCHEIDEN so endgültig, so "entweder oder" mäßig und das verstehe ich nicht, denn ich kann und will mich auch gar nicht entscheiden.Ich finde es schön, zwei Heimaten zu haben und so ist das, was ich gerade schreibe, eine Art Liebeserklärung an die zwei Orte, die mich von klein auf geprägt haben:
Stuttgart, die Stadt mit dem Stern, klein aber fein, Großstadt gepaart mit dörflicher Überschaubarkeit, gut versteckte, wortkarge Herzlichkeit der Schwaben gepaart mit einer Offenheit "Fremdem" gegenüber, die man erstmal nicht vermutet, aber immer wieder fühlt und sieht. Als Hip Hop-Fan der ersten Stunde ist Stuggi meine 1ste Liebe
Stuttgart, die Stadt mit dem Stern, klein aber fein, Großstadt gepaart mit dörflicher Überschaubarkeit, gut versteckte, wortkarge Herzlichkeit der Schwaben gepaart mit einer Offenheit "Fremdem" gegenüber, die man erstmal nicht vermutet, aber immer wieder fühlt und sieht. Als Hip Hop-Fan der ersten Stunde ist Stuggi meine 1ste Liebe
Mostar ist mein Fluchtort, wenn ich Ruhe, Abstand und neue Energie brauche, sozusagen mein Gegengewicht an meiner seelischen Waage.
Und genau deswegen will und kann ich mich nicht entscheiden, denn Heimat prägt nun mal deine Identität und die kannst du nicht wie Schuhe an der Haustür ausziehen oder eine Jacke ablegen. Das, wo du herkommst und das wo du jetzt bist, vervollständigen erst das Mosaik deines Ichs. Wer das nicht versteht und eine Entscheidung verlangt, hat keine Ahnung wie schizophren das Leben zwischen zwei Kulturen sein kann und wie schön es ist, zwei Heimaten zu haben...
Heimat kann man nicht vererben. Sie ist in meinem Kopf. Und sie ist in meiner Seele.
Horst Bienek (*1930), dt. Schriftsteller
Dienstag, 17. Februar 2015
Doku-Tip: "Perspektiva"
Auch lange nach Ende des Krieges gibt es noch immer Wunden, die kaum heilen, Grenzen, wenn auch unsichtbar, die existieren und die Bosnier teilen, so wie in Mostar, der Stadt, die immer noch zweigeteilt ist: in die kroatische und die bosnische Seite. Wie geht die Jugend heute damit um? Schaffen sie es, diese unsichtbare Grenze aufzulösen? Das sind unter anderem die Themen der Doku "Perspektiva" des Radios Slobodna Evropra in Zusammenarbeit mit dem NED (The National Endowment for Democracy) Der bekannte Musiker Marchelo aus Beograd zeigt Bilder aus Mostar und redet mit den Jugendlichen:
Perspektiva - erste Folge
Konzert-Tip ARTE: Sarajevo 1914-2014: Ein Konzert für den Frieden, Halka und Amira Medjunanin
Und mal wieder ist der Sevdah das Thema :-) Dieses Mal ist es Konzert, das im Juni 2014 in Sarajevo stattfand, das nach kultureller Vielfalt strebt. Im Programm: ein neues Ensemble für traditionelle Musik rund um den serbischen Jazzpianisten Bojan Z und die bosnische Sängerin Amira Medunjanin, der Kontrabassist Nenad Vasilic aus Serbien, aus der Türkei Ufuk Kaan Icli und Emin Esen, sowie Musiker aus Bosnien-Herzegowina: Halka
Ein wundervolles Konzert, mit einer bezaubernden Amira Medjunanin und grossartigem Bozo Vreco auf der Bühne!
Freitag, 9. Januar 2015
entschuldigt bitte...
...falls ich mich nicht genug entschuldige....
entschuldigt bitte, dass ich nicht mehr machen kann als das, was ich jetzt schon mache- reden, schreiben, erklären aber entschuldigt bitte auch, dass ich müde werde, dass meine Kraft aber auch meine Lust, Euch Eure Ängste zu nehmen, Eure Vorurteile zu zerstreuen, nachlässt...
denn ich bin nicht Charlie... ich bin Mensch, Quasi-Deutsche mit Migrationshintergrund, Moslem, in der Reihenfolge. Jeden Tag kämpfe ich aufs Neue in meinem eigenem Djihad- nämlich dem ein guter Mensch, zu sein.Mein Djihad hat nichts mit dem Terrorismus zu tun, mein Gott heisst das Morden in seinem Namen nicht gut, mein Prophet zeigte durch sein Wesen und seine Art, was Liebe und Hingabe heisst.
entschuldigt bitte, dass ich nicht mehr machen kann als das, was ich jetzt schon mache- reden, schreiben, erklären aber entschuldigt bitte auch, dass ich müde werde, dass meine Kraft aber auch meine Lust, Euch Eure Ängste zu nehmen, Eure Vorurteile zu zerstreuen, nachlässt...
denn ich bin nicht Charlie... ich bin Mensch, Quasi-Deutsche mit Migrationshintergrund, Moslem, in der Reihenfolge. Jeden Tag kämpfe ich aufs Neue in meinem eigenem Djihad- nämlich dem ein guter Mensch, zu sein.Mein Djihad hat nichts mit dem Terrorismus zu tun, mein Gott heisst das Morden in seinem Namen nicht gut, mein Prophet zeigte durch sein Wesen und seine Art, was Liebe und Hingabe heisst.
Die letzten Tage waren ein einziges Deja-Vu. Nach den Ereignissen in Paris erinnert mich alles von der Berichterstattung bis zu den Kommentaren in meinem Umfeld an die Tage nach dem 11.September. Schon damals hatte ich das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen, entschuldigen zu müssen, für das was eine Handvoll Idioten getan habe, deren Motive ich nicht nachvollziehen kann und mit denen ich mich nicht identifiziere. Heute habe ich das Gefühl wieder und ich will das nicht. Denn diese Handvoll Idioten stehen nicht für den Islam, den vier Millionen Menschen hier in Deutschland leben. Diese Handvoll Idioten stehen nicht für das, was der Prophet mit den Worten Gottes den Menschen weitergab. Diese Handvoll Idioten sind genau das - eine Handvoll und Idioten, mehr nicht.
Allerdings und das ist auch ein Grund warum ich sage, ich bin nicht Charlie: wer Spott sät, wird Hass ernten. Seit Jahren veröffentlichen Zeitungen Karrikaturen, die den Islam und Mohammed unter dem Deckmantel der Satire verspotten und damit Feuer ins Öl giessen. Damit wir uns richtig verstehen: ich bin für Pressefreiheit und ich bin für das Recht, zu kritisieren! Natürlich muss man diskutieren, natürlich muss man kritisieren, gerade, was das Thema Religion angeht. Aber bitte sachlich, konstruktiv, nicht mit Hohn und Spott, Satire hin, Tucholsky her. Und sollte die Titanic jetzt da weitermachen, wo Charlie aufgehört hat, dann macht es nicht die Handvoll Idioten mundtot sondern verletzt die Gefühle der "vernünftigen", der "normalen" Moslems, die es einfach leid sind, mit Terroristen gleichgesetzt zu werden.
Respekt und Verständnis auf beiden Seiten ist gefragt, noch nie war das Gespräch so wichtig und nötig wie jetzt:
“Raise your words, not voice. It is rain that grows flowers, not thunder.”
Mein vollstes Mitgefühl gilt an dieser Stelle den Opfern, mögen ihre Seelen Frieden finden!
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