Samstag, 16. März 2013

geht gar nicht: Ghost Warrior 2

Seit gestern ist ein neuer Ego-Shooter im Handel namens Sniper: Ghost Warrior 2 erhältlich . Einer der Schauplätze ist das Kriegssarajevo '92. Der Spieler und "Held" ist ein amerikanischer Scharfschütze. Er gibt einer vorrückenden Einheit Deckung und feuert über verschiedene Distanzen und durch Hindernisse hindurch, während diese durch Sarajevo vorrücken. Dabei schaltet der Protagonist diverse Feinde auf unterschiedliche Entfernungen aus und schießt dabei teilweise auf verdeckte Gegner. Dann steht der Angriffstrupp plötzlich unter Mörserfeuer und der Sniper bekommt die Aufgabe, die Granatwerfer-Stellung ausfindig zu machen und auszuschalten. Zu diesem Zweck ist es auch möglich, auf die Munition des Feindes zu zielen und diese so zur Explosion zu bringen. Habe mir gerade den Trailer angesehen und weiss nicht, was mir mehr Magenschmerzen macht, dass es noch so ein bescheuertes Ballerspiel gibt, mal wieder der Bosnien-Krieg als Thema und "Inspiration" herhalten muss oder die Kommentare unter dem youtube-Video.

Freitag, 15. März 2013

diversidad - a unique urban experience

Ein schönes Beispiel dafür, dass Musik grenzübergreifendes Soulfood ist: 2008 initiierte das European Music Office mit Unterstützung der EU das dreijährige Projekt diversidad - a unique urban experience Diversidad. Junge Künstler aus 15 europäischen Ländern waren Teil des Projekts, unter anderem:
Mariama aus Deutschland

Elemental aus Kroatien  

Frenkie aus Bosnien

Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit: hörenswert :-)

Mittwoch, 13. März 2013

Balkan-LieblingsCD: Damir Imamović / Sevdah Takht

über den Sevdah hatte ich vor kurzem hier Jeder hat jemanden, den er nicht hat geschrieben und dabei zum Schluss einen Namen erwähnt, der eine Erläuterung wert ist: 
Damir Imamović, ein junger, begnadeter Musiker, trat als Enkel eines Großmeisters des Sevdahs Zaim Imamović ein schweres Erbe an, wurde dem Namen aber mit jedem neuen Album gerecht.

Auf "Sevdah Takht"  überzeugen Damir Imamović, Nenad Kovačić und Ivan Mihajlović mit einer gelungenen Kombination aus Coolness und Tradition. Mein Favorit ist (wie sollte es auch anders sein) die Hajrija aus Mostar :-)

Damirs homepage
Interview Damir Imamovic

das böse D-Wort: Deutschenfeindlichkeit

Als ich dieses Video das erste Mal sah, musste ich herzlichst lachen: Frau Schröder über Deutschenfeindlichkeit. Was aber vor allem daran liegt, dass ich sie genau so wenig wie die gute Frau von Leyen ernst nehmen kann. Beide haben so ein unglaublich weltfremdes bla bla drauf, dass einem schlecht wird. (Ich wage zu bezweifeln, dass Frau Schröder ein Jahr auf den KiTa-Platz warten oder sich ihrem Chef rechtfertigen musste, wenn das Kind mit Masern zu Hause im Bett lag. Sieben Kinder erziehen ist auch wesentlich leichter mit einer Haushaltshilfe, zwei Nannies und einem Ministergehalt, liebe Frau von der Leyen, aber jetzt schweife ich vom Thema ab.) Jedenfalls nachdem ich über das Video und Frau Schröder gelacht habe, fing ich darauf zu achten, wie deutschfeindlich mein Umfeld ist und war beruhigt, wie brav sie sich doch alle integriert haben und dass von keinem aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis deutschfeindliche Aussagen kamen :-) Bis ich dann vor kurzem beruflich mit einem Türken, SAP-Berater zu tun hatte. Er suchte eine neue Festanstellung, nachdem er innerhalb von zwei Jahren viermal den Job gewechselt hatte bzw. gekündigt wurde, immer mit der gleichen Begründung, man würde ihn mobben, weil er Moslem ist. Dass man den Job wechselt ist normal, dass man gemobbt wird, kann auch passieren, mich wunderte nur, dass es ihm so oft innerhalb so kurzer Zeit passierte. Als ich ihn darauf ansprach und ihn einfach mal reden liess, wurde mir schnell klar, wo das Problem lag: Er definierte sich über seine Nationalität, seine Religion und trug das so offen vor sich her, dass es schon abschreckend wirkte und geradezu provozierte. Meine Frage, wieso er das eigentlich so heraushängen lässt, dass er Moslem und Türke ist, beantwortete er mit: Weil ich stolz darauf bin. (Hallo, wie kann man stolz auf etwas sein, das man einfach ist? Deutscher, Türke, Bosnier oder Italiener zu sein ist doch keine Leistung auf die man stolz sein könnte?) Das Gespräch wurde dann richtig anstrengend, als ich ihm versuchte klar zu machen, dass er vielleicht seine Einstellung und sein Auftreten überdenken sollte und er mit der Gegenfrage kam, ob er sich jetzt bei den Nazis einschleimen soll, oder was? An der Stelle wäre es jetzt leicht und berechtigt gewesen zu sagen: DEUTSCHFEINDLICH PUNKT nein AUSRUFEZEICHEN. Doch viel interessanter fand ich es genau an dieser Stelle zu hinterfragen WIESO er so denkt? Und stellte dabei fest, wie sehr doch noch das Schreckgespenst des Feindbildes böser Moslem in den Köpfen mancher Ignoranten rumspukt. Von Klischees und Vorurteilen hatte ich es ja schon hier: Über Klischees als geistige Spams und dass Diskriminierung nach wie vor Thema ist, ist Fakt, ABER, die 1.0er haben uns viele Steine aus dem Weg geräumt, gemessen an ihren Schwierigkeiten, die sie hatten, empfinde ich unsere Probleme manchmal als Jammern auf hohem Niveau. Worauf ich hinauswill ist: Wir 2.0er dürfen inzwischen erwarten, dass man uns mit unserer Kultur, unserer Religion usw. akzeptiert aber wir dürfen es nicht erzwingen, vor allem dürfen wir Diskriminierung nicht als Pauschalentschuldigung für eigene Unzulänglichkeiten nehmen.  Es braucht Zeit, bis die geistigen Mauern auf allen Seiten weg sind und die Zeichen, dass die 3.0er unsere Probleme nicht haben werden, stehen gut, derweil:

“Raise your words, not voice. It is rain that grows flowers, not thunder.” Rumi

Freitag, 8. März 2013

Brett vor der Tür, Brett vorm Kopf


Die Nägel, mit denen man vor vier Monaten die Bretter an die Türen des Nationalmuseums in Sarajevo einschlug, sind die Sargnägel der Kultur und somit der Gesellschaft. Dass das Museum geschlossen wurde, zeigt wie viel in Bosnien noch im Argen liegt und die Tatsache, dass das Museum den Krieg überstanden und  während dieser Zeit geöffnet war, aber 2012 geschlossen wurde ist für mich nichts weiter als ein weiteres Zeichen für die Inkompetenz der Regierung, die zwar das Geld für Nobelkarossen aus Ingolstadt aber kein Geld für die Kulturförderung hat. 
Culture shutdown
Rallf Borchard hat es seinem Beitrag gut auf den Punkt gebracht: 
Feuchte Wände, keine Heizung und seit vier Monaten ist das Museum komplett geschlossen: Der Existenzkampf des bosnischen Nationalmuseums ist symbolisch für die Lage im Land. Mit mehr als 50 Prozent Arbeitslosigkeit herrscht Stillstand in Bosnien, und die Kultur gerät ins Hintertreffen.
Als das Eingangstor ins Schloss gefallen ist, sind wir ganz allein. Keine Museumswärter, keine Besucher. Das Nationalmuseum ist seit vier Monaten geschlossen. Obwohl es sich um eine der bedeutendsten Kultureinrichtungen des westlichen Balkans handelt. 1888 gegründet, seit 1913 in einem ursprünglich prunkvollen Neorenaissance-Gebäude mit wunderschönem Innenhof untergebracht, mit archäologischer, ethnologischer und naturkundlicher Sammlung. Und der ältesten wissenschaftlichen Bibliothek Bosniens:
"Wir haben das Museum vor vier Monaten geschlossen, weil wir seit zwei Jahren keine finanzielle Unterstützung mehr erhalten", 
sagt Vizedirektorin Marica Filipovic. 
"Die Angestellten haben seit 17 Monaten kein Gehalt mehr bekommen."
Filipovic zeigt verbliebene Schäden aus den Kriegsjahren von 1992 bis 1995, einzelne mit internationalen Geldern renovierte Räume und spricht von einer insgesamt desaströsen Situation:
"Den ganzen Winter über konnten wir wieder nicht heizen. Es herrscht solche Feuchtigkeit in den Räumen, dass wir uns sehr große Sorgen machen, was mit den Ausstellungsstücken passiert, auch aufgrund des Staubs und anderer Dinge."
Nur das Prunkstück des Museums scheint noch sicher: die Sarajevo Haggada, eine reich bebilderte Handschrift aus dem 14. Jahrhundert, die sephardische Juden nach ihrer Vertreibung aus Spanien nach Bosnien brachten. Das Buch liegt hinter Panzerglas in einem extra gesicherten Raum, in dem auch die Klimaanlage noch funktioniert.
Warum bekommt kein Besucher mehr diesen Kunstschatz zu sehen? Weil sich die bosnischen Politiker nicht über Kulturfragen einigen können. Sechs andere nationale Einrichtungen, etwa Historisches Museum und Literaturmuseum, sind genauso betroffen. Der Friedensvertrag von Dayton hat das Land in eine serbische Republik und eine muslimisch-kroatische Föderation geteilt, diese wiederum in zehn Kantone, Kulturfragen wurden schlicht ausgeklammert, die schwache bosnische Zentralregierung hat kein Kulturministerium. Auf der Suche nach einem verantwortlichen Politiker ist nur der Kulturminister des Kantons Sarajevo zum Interview bereit:
Bis 2001 sei die Zuständigkeit für das Nationalmuseum tatsächlich beim Kanton Sarajevo gelegen, erklärt Ivica Saric. Er selbst habe sein Amt erst 2002 übernommen. Offiziell sei die Ebene der Zentralregierung zuständig, doch dort herrsche ein politisches Vakuum, wirklich zuständig fühle sich niemand.
Der Mann mit der beeindruckenden Bassstimme ist eigentlich Opernsänger, kann stolz von Auftritten mit Placido Domingo erzählen, eine Lösung für die Museumskrise hat auch er nicht. Vor kurzem waren zwei Kuratoren des Metropolitan Museum of Art in Sarajevo, um die berühmte Haggada als Leihgabe nach New York zu holen. Wäre das nicht eine Chance, weltweit auf das Problem aufmerksam zu machen und für Sarajevos Kunstschätze zu werben?
"Es gibt keinerlei rechtliche Unterstützung in Vertrags- oder Versicherungsfragen"
sagt Museums-Vize-Direktorin Filipovic.
"New York hätte seinen kommerziellen Erfolg, aber wenn der irgendetwas passiert, was dann? Derzeit kann die Haggada Sarajevo nicht verlassen."
So ist der Existenzkampf des Nationalmuseums symbolisch für die Gesamtlage im Land. Bosnien, verloren zwischen mangelnder Eigenverantwortung und dem Ruf nach mehr internationaler Hilfe, mit Bürgern, die bei mehr als 50 Prozent Arbeitslosigkeit andere Sorgen haben als geschlossene Museen, mit Politikern, die vor allem an sich selbst, aber nicht an das große Ganze denken. 
Obwohl vor kurzem Kulturschaffende aus ganz Bosnien Rosen vor dem Museumseingang niedergelegt haben, obwohl Museen weltweit im Internet Solidarität versprechen, eine Wiedereröffnung des bosnischen Nationalmuseums ist derzeit nicht in Sicht:
"Momentan bin ich sehr pessimistisch", sagt Marica Filipovic, "sehr sehr pessimistisch."
Dradio - Kein Geld für Kunst